Der rasante Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) offenbart erste Schwächen im Softwaresektor. Aktien von Softwareunternehmen gerieten letzte Woche unter erheblichen Druck und notieren nun rund 30 % unter ihrem Höchststand Ende 2025. Ein Großteil dieses Rückgangs erfolgte in jüngster Zeit und deutet auf eine plötzliche Neubewertung von Geschäftsmodellen hin, die lange als relativ vorhersehbar galten.
Laut Mark Dowding, CIO Fixed Income bei RBC BlueBay Asset Management, wachsen die Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Modelle, da KI es Kunden zunehmend erleichtert, selbst Software zu entwickeln. „Der Aufstieg der KI bedeutet nicht automatisch, dass etablierte Softwareanbieter profitieren“, so Dowding. „Im Gegenteil, er erschwert die Prognose zukünftiger Umsätze.“ Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in der Marktpositionierung wider: Short-Positionen im Softwarebereich befinden sich auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.
Es fällt auf, dass sich die Risiken nicht auf börsennotierte Aktien beschränken. Auch im Private-Equity-Bereich ist das Software-Engagement erheblich. Viele Private-Debt-Kreditfonds investieren bis zu 30 % ihres Portfolios in diesem Sektor, wobei diese Strategien kaum Spielraum für schnelle Kurskorrekturen lassen. „In Teilen des Private-Equity-Marktes ist man bei Veränderungen des Umfelds quasi gefangen“, so Dowding. „Das macht technologische Umbrüche dort noch schwieriger.“
Diese Spannung wird nun auch bei börsennotierten Private-Debt-Kreditfonds deutlich, die mit Abschlägen von 20 % bis 30 % auf ihren inneren Wert gehandelt werden. Für Mark Dowding ist dies eine logische Folge des hohen Software-Engagements in Teilen des Private-Debt-Marktes. „Genau dort, wo die Anleger gefangen sind, beginnt der Markt nun, das Risiko übermäßig optimistischer Bewertungen zu antizipieren“, sagt er.
